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„Shifting Ideals of the Liveable City: From the ‘creative class’ to the ‘15-Minute City’“

von PHILIP LAWTON

„In vieler Hinsicht kann die 15-Minuten-Stadt als akzeptable Fassade einer neuen, ökologisch freundlichen urbanen Wachstumsmaschine gelesen werden (Original auf Englisch: (…) to a large extent, the 15-Minute City can be read as an acceptable face of a new ecologically friendly urban growth machine, S. 8).“

– Philip Lawton

 

Zusammenfassung

Die 15-Minuten-Stadt ist ein stadtplanerisches Modell, in dem alle wichtigen Alltagsfunktionen wie Arbeiten, Einkaufen, Bildung, Gesundheit und Freizeit innerhalb von 15 Minuten zu Fuß oder mit dem Fahrrad erreichbar sein sollen. Ziel ist es, Verkehr zu reduzieren, nachhaltige Mobilität zu fördern und lebenswertere, gemischte Nachbarschaften zu schaffen. Das Konzept setzt auf Nähe, Dichte, Nutzungsvielfalt und digitale Zugänge, um Städte widerstandsfähiger und ökologischer zu gestalten. Philip Lawton analysiert, wie sich Leitbilder städtischer Lebensqualität von Richard Floridas Creative-Class-Hypothese hin zum Konzept der 15-Minuten-Stadt von Carlos Moreno verschieben. Er verortet den Beitrag in Debatten um urban liveability und entrepreneurial urban transformation und zeigt, dass beide Ansätze als „vehicular ideas“ in globale Politiknetzwerke eingespeist werden. Dabei betont Lawton, dass sowohl Creative Class als auch 15-Minuten-Stadt auf gemischte Nutzungen, Dichte und Walkability setzen, jedoch unterschiedliche Schwerpunkte setzen: Florida koppelt kulturelle Angebote und Diversität direkt an Wachstumsversprechen, während Moreno Proximität, Klimapolitik und Chronourbanismus in den Vordergrund rückt. Lawton zeigt zugleich, wie beide Ansätze Fragen sozialer Inklusion nur unzureichend behandeln und sich leicht in bestehende neoliberale Strategien wie Public-Private-Partnerships und Social-Mix-Politiken einfügen. In der Diskussion um Proximität und Agglomeration stellt er Floridas jüngere Meta-City-Idee der 15-Minuten-Stadt gegenüber und argumentiert, dass solche Schirmkonzepte strukturelle Dimensionen von Arbeit, Produktion und Logistik weitgehend ausblenden.

Key Findings

  • Die 15-Minuten-Stadt markiert einen funktionalistischen Wandel der Leitbilder urbaner Lebensqualität, bleibt aber Teil unternehmerischer Stadtstrategien.
  • Creative Class und 15-Minuten-Stadt fungieren als „umbrella ideas“ und fast policy-Konzepte, die eine ökologisch gerahmte Wachstumslogik reproduzieren.
  • Beide Ansätze blenden zentrale Bereiche wie Produktion, Logistik, Dateninfrastrukturen und Arbeit weitgehend aus, weshalb Lawton eine stärkere Orientierung an konkreten lokalen Governance- und Arbeitsstrukturen fordert.

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