„Digital nomads or digital settlers? Rethinking regional development in the information age“
von Nikolaos Iason Koufodontis & Eleni Gaki
„Ohne Integration bleiben digitale Siedler ökonomisch abgekoppelt und ihr Einfluss auf die Region bleibt begrenzt.“ (Original auf Englisch: “Without integration programs, digital settlers may remain economically detached, limiting their regional impact.”) (S. 12)
Zusammenfassung
Diese Studie ist in der Wirtschaftsgeographie, Migrationsforschung und kritischen Regionalentwicklung verortet und untersucht, wie digitale Nomaden in Griechenland entlang eines vierstufigen Modells zu bleibenden Bewohner:innen übergehen. Koufodontis und Gaki zeigen mithilfe eines Mixed-Methods-Designs mit Umfragedaten, 2D/3D-räumlicher Modellierung und qualitativen Reflexionen, dass digitale Mobilität nicht nur temporäre Bewegung darstellt, sondern schrittweise eine Form langfristiger räumlicher Verankerung hervorbringt. Theoretisch wird Digital Settlement als intermediäres Konzept zwischen Lifestyle Mobility und Lifestyle Migration definiert und unter Rückgriff auf Network Migration Theory präzisiert. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass kurzzeitige Nomaden vor allem Erschwinglichkeit, Klima und digitale Infrastruktur priorisieren, während sich mit zunehmender Aufenthaltsdauer die Bedeutung elementarer Dienste, insbesondere Gesundheitsversorgung, kommunale Services, Sicherheit und geopolitische Stabilität, stark erhöht. Die empirischen Daten belegen nichtlineare Akzeptanzschwellen, die durch 3D-Modellierung sichtbar werden. Geschlecht und Einkommen moderieren Teilpräferenzen, ohne jedoch die Grundlogik des Stufenmodells zu verändern. Der griechische Fall verdeutlicht, dass regionale Attraktivität auf einem Zusammenspiel von Infrastruktur, Stabilität und Alltagsqualität basiert und dass Digital Settlement nicht zwingend vollständige Sesshaftigkeit erfordert, sondern häufig hybride Lebensformen aus stabilem Basisstandort und periodischer Mobilität umfasst. Insgesamt argumentiert der Artikel, dass digitale Nomaden eine eigenständige Kategorie mobiler Wissensarbeit darstellen, deren regionale Bindungen planerisch gestaltbar sind.
Key Findings
- Die Analyse bestätigt eine systematische, stufenförmige Verschiebung der Standortprioritäten: Von günstigen Kosten und Internetqualität hin zu essentiellen öffentlichen Dienstleistungen, Sicherheit und langfristiger Stabilität.
- Die 3D-Modellierung zeigt starke nichtlineare Schwellenwerte, insbesondere für Gesundheitsversorgung und kommunale Basisinfrastruktur, die für ein langfristiges Bleiben entscheidend sind.
- Politikimplikationen weisen darauf hin, dass unterschiedliche Phasen digitaler Mobilität differenzierte, phasenangepasste Förder-, Visa- und Integrationspolitiken erfordern, um Übergänge zur Sesshaftigkeit zu unterstützen.